Samstag, 17. August 2013

Tabubruch - Fotorealistische Malerei






Schon immer hat realistische Kunst und dann besonders die erotische Kunst, gesellschaftliche Tabus gebrochen. Erotische Kunst, ganz egal ob sie als Gemälde oder Skulptur geschaffen ist polarisiert, weil sie gesellschaftliche Grenzen überschreitet.



Verbotener Blick auf die Nacktheit


Allgemein bekannt ist die empörte Reaktion des bürgerlichen Paris, auf Gustav Coubert’s Werk „L’Origine du Monde (Der Ursprung der Welt)“. Das Gemälde gilt heute als das Hauptwerk des französischen Realismus. Die Darstellung des weiblichen Geschlechts, war offensichtlich zu viel Realismus – und scheint es auch heute noch zu sein. Jedenfalls war 2008, als das Gemälde im „Metropolitan Museum of Art“ ausgestellt wurde, der Zutritt erst ab 18. Jahren gestattet.



"Gustav Coubert - L’Origine du Monde (Der Ursprung der Welt)“

Fotorealismus


In den späten 60er Jahren schufen junge amerikanische Künstler fotorealistische Gemälde. Sie bekannten sich dazu, nach Fotovorlagen zu arbeiteten.  Im Gegensatz zu Degas oder Kirchner, die ebenfalls so arbeiteten, aber es lieber verschwiegen. Die junge Künstlergeneration stand so Gegensatz zur festgeschriebenen Kunstdoktrin, dass Abstraktion ein unumkehrbares Ziel der Moderne sei.

Denn realistische Malerei nach Fotovorlagen widersprach der Definition künstlerischer Freiheit. Diese gehe verloren, wenn sich der Künstler an einer Fotografie orientiere. Und so spottete damals die Presse „Pedanterie ersetzt Genie“. Als ob in der Zeit davor, die Gemälde und Skulpturen ausschliesslich aus dem „Genie - Fantasie“ der  Künstler geschaffen worden seien. Ganz im Gegenteil – Vorlagen wurden schon immer verwendet. Fotovorlagen waren daher nur ein folgerichtiger Schritt.

Das Publikum gibt den Künstlern Recht


Endlich wieder Malerei, die man geniessen kann. Malerei, die man verstehen kann, ohne zuvor dicke Bücher zu lesen. Endlich wieder Malerei, die etwas darstellt, das man erkennt. Der Erfolg gab den Künstlern Recht und strafte die Kunstpäste Lügen. Mit dem Durchbruch der fotorealistischen Malerei hat diese Künstlergeneration einen Paradigmawechsel in der Kunstgeschichte eingeleitet. Weg von der abstrakten Malerei – hin zu gegenständlicher, (foto)realistischer Darstellung.


Arc de Triomphe



Diese Entwicklung hat auch in die Bildhauerkunst erfasst. Mehr und mehr werden heute wieder Figuren und Skulpturen geschaffen, bei denen man ohne lange wissenschaftlichen Exkursen erkennt was dargestellt ist. Diese Skulpturen können Tabus brechen, wie das Werk "Arc de Triomphe" der Wiener Künstlergruppe Gelitin, das 2003 in Salzburg enthüllt wurde (und wieder entfernt werden musste), oder sie können ganz einfach nur das Herz zu berühren. Noch fürchten sich viele Künstler dies als Ziel Ihrer Kunst zu nennen, weil solche Kunst von Kritikern gerne in die Schublade Kitsch abgelegt wird. 

Doch was soll Kunst, wenn Sie das Herz nicht berührt.

Autor: Angelo Steccanella

Kommentare:

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  3. Holbein verwendete einen Glastafelapparat, Leonardo wahrscheinlich auch. Van Eyck? Weiß ich nicht. Ich weiß nur: 3 der wunderbarsten Maler, die wir jeh hatten. Die meisten Maler verwendeten ihre eigenen Zeichnungen als Vorlage, also irgendwie auch. Ein Foto ist die natürliche Vorlage in heutiger Zeit. Ein Hauch des "Abmalens" bleibt. Wer sich allerdings daran stört, sollte beispielsweise einen Holbein mal kopieren.

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